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GTA - das war’s

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Wir waren von Mitte Juli bis Anfang September  52 Tage auf der Grande Traversata delle Alpi vom Lago d’Orta bis nach Ventimiglia zu Fuß unterwegs, mit zwei Ruhetagen. 
Manche Tage sind wir nur vier Stunden gewandert, oft aber auch sechs bis acht Stunden. Lange Pausen unterwegs waren sehr selten, denn ist man erst aus dem Rhythmus fällt das Weitergehen schwer.
Der Weg ist ... schwer mit einem Wort zu beschreiben ... vielleicht passt grandios. Auf jeden Fall ist er immer wieder anders und fast immer schön. Klar gab es auch Strecken, bei denen ich mich fragte “warum mache ich das eigentlich“, besonders bei stundenlangen Steilaufstiegen durch den dichten Nebel. Die Antwort war immer die gleiche: weil mich eine Sehnsucht hierher gebracht hat, und das der Weg ist, den ich gehen wollte. Überwiegend wanderten wir vom Tal zum Pass und wieder ins Tal. Das hört sich vielleicht etwas eintönig an, aber jedes Tal war anders, jeder Pass, die Flora, das Panorama, die Flüsse, Bäche und Seen, das Gestein .…

Tag 52 - gesund und glücklich angekommen

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Rifugio Alta Via - Madonna della Neve - Ventimiglia Spiaggia - 12,8 km - Auf 280 m - Ab 810 m
Die letzte Etappe bot noch einige Überraschungen, besonders was die Aufstiege betraf. Vom Rifugio ging es erstmal wieder hoch zum Gratrücken der Alta Via dei Monti Ligure. Im aussichtsreichen und bequemen Auf und Ab bei leicht bedeckten Himmel waren wir anfangs recht leichtfüßig unterwegs. Macchia wechselt mit Weingärten und Olivenhainen, die Düfte sind jetzt sehr mediterran. Aber wie immer, wenn wir dachten „heute nur kurz und flach“ zog sich die Etappe in die Länge. Alles Kopfsache! Nach etwa zwei Stunden ein Steilanstieg am Monte Barracone, dem Kreideberg, der uns deutlich spüren ließ, wie sich Wandern bei 30 Grad und mehr anfühlt. Das hatten wir ja vorher nie. Dann sahen wir zum ersten Mal Ventimiglia. Nur kurz, denn dann kam schon der nächste Hügel, der auf einer Schotterpiste überwunden wurde, vorbei an den letzten Kasernenruinen, die uns seit dem Tenda-Pass begleiteten. Mit der erste Stra…

Tag 51

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Rifugio Gola di Gouta - Bassa d‘Abellia - Passo del Cane 596 m - Rifugio Alta Via - 18,5 km Auf 185 m - Ab 880 m
Wir verlassen die Berge endgültig. Auf breiter Militärpiste geht es fast stetig bergab. Wegen eines Felsabbruchs natürlicherweise gesperrt brauchen wir nicht mit motorisierten Begegnungen zu rechnen. Tatsächlich sind es nur zwei Maultiere und ein paar Mountainbiker. Es ist unglaublich still hier im bewaldeten, küstennahen Hinterland des ligurischen Meeres. Kiefern verbreiten südlichen Duft, dann beginnt die Macchia.  Ein bisschen langweilig ist das schon nach all den spektakulären Etappen der letzten Wochen. Aber damit fällt der Abschied leichter.  Das Pistenwandern macht müde, zumal sie unglaublich ruppig ist, und das Brombeeren am Wegrand naschen verliert auch nach etlichen Stunden seinen Reiz. Ein letzter Abstecher über den Monte Erisetta sorgt mit einem kurzen Aufstieg nochmal für Abwechslung, dann erreichen wir unser vorletztes Etappenziel: ein sehr privates B&B, ein …

Tag 50

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Colla Melosa - Sentiero degli Alpini - Gola dell‘Incisa 1685 m - Colle del Corvo 1404 m - Passo Muratone 1158 m - Rifugio Gola di Gouta - 17,8 km - Auf 630 m - Ab 940 m
Endlich ist der Himmel wieder milde gestimmt, für die Tour über den Alpinisteig perfekt.  Der teilweise in den Fels geschlagene, schmale Pfad windet sich durch die Steilwände des Monte Pietravecchia. Nicht nur der Weg, auch die schroffen Schluchten und die vielen bewaldeten Täler erinnern mich sehr an Madeira. Fast überkommt mich ein bisschen Heimweh. Leider ist ein Teil des Weges durch einen Felssturz zerstört, der auch den Aufstieg zum Gola dell‘ Incisa in Mitleidenschaft gezogen hat. Macht aber nix, denn der steile Hang hat so viele Düfte zu bieten, dass mich der Zustand des Weges überhaupt nicht stört: Lavendel, Thymian, Bohnenkraut, Cola-Strauch, Heiligenkraut, Edelraute, Wermut und einiges was ich gar nicht keine. Bei solchen Wegen vergesse ich sogar mein Schienbein.  Aber auch die erzwungene Westumgehung des Monte T…

Tag 49

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Rifugio La Terza - Il Redentore - Monte Sacarello 2200 m - Passo di Collardente 1600 m - Passo Sanson 1707 m - Colle Bertrand 1953 m - Colla Melosa / Rifugio Allavena - 16,8 km - Auf 559 m - Ab 1050 m
Unser erster Weg heute morgen brachte uns wieder am Redentore vorbei. Er hat gestern mit seinem Blitzableiter das Schlimmste von uns abgelenkt. Von unserem Felsschutz aus gesehen war es ein furchterregendes Spektakel. 
Der Monte Sacarello ist unser letzter 2000er, ab jetzt geht es nur noch bergab, nicht nur, aber tendenziell. Erstmal steil mit voller Konzentration durch den nassen Grashang, dann kommen nur noch bequeme Waldwege. Doch wir können das heute nicht genießen. Immer noch bauen sich Wolkentürme um uns herum auf, und nach dem gestrigen Erlebnis wagen wir kaum eine Pause.
Mehr als Wolken gab’s heute glücklicherweise nicht. Wir kommen also trocken an. Was mir seit vorgestern Probleme macht - kaum zu glauben- es ein 50 Jahre alter Schienbeinbruch. Egal wie, die letzten drei Etappen, wil…

Tag 48

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Rifugio Don Barbera - Colle del Signori 2107 m - Colle delle Selle Vecchie 2097 m - Monte Bertrand - Cima Missun 2355 m- Passo Tanarello 2034 m- Monte Sacarello 2200 m - Rifugio La Terza - 16,9 km - Auf 834 m - Ab 580 m
Der Morgen versprach einen Bilderbuch-Sonntag, perfekt für die heutige Kammwanderung, immer der Grenze entlang. Mal auf der italienischen Seite, mal auf der französischen Seite und zwischendrin immer mal wieder auf dem Grat. Gute Sicht in alle Richtungen und die Hoffnung endlich das Meer zu sehen.  Aber: Gegen 11 Uhr hängt sich am Monte Bertrand eine dunkle Wolke auf, wir beschließen nicht oben drüber zu gehen, sondern östlich unten um ihn herum. Um 13 h fallen die die ersten Tropfen. Und in Minutenschnelle hat sich ein Gewitter über uns zusammengezogen. Erst nur heftiger Regen und Donnergrollen, dann zucken die Blitze.  Wir sind zum Glück gerade nicht im offenen Gelände und nehmen - an eine Felswand gedrückt - Schutzhaltung ein. Nach dem Erlebnis am gestrigen Tag ist das…

Tag 47

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San Lorenzo - Colle di Tenda (1871 m) - Colletto Companino (2142 m) - Col della Perla (2083 m) - Col della Boaria (2102 m) - Colla Piana (2219 m) - Colle dei Signori (2112 m) / Rifugio Don Barbera - 21,2 km - Auf 1100 - Ab 460 m
Ein Gewitter auf dem Grenzkamm hat uns in unserem Erlebnisrepertoire gerade noch gefehlt. Das durften wir heute ohne Vorwarnung erleben. Es gab in keinem Wetterbericht eine Gewittermeldung, nur Regen. Kurz vorm Tenda-Pass hörten wir es schon grummeln, dann wurde es windig, kalt und nass. Wir waren mitten in den Wolken, konnten nur an der Lautstärke erahnen, wo sich das Gewitterzentrum befindet. Als es direkt über uns knallte, suchten wir schleunigst Schutz in einem Felsendom. Heißen Tee trinken und abwarten! Dann großes Spektakel mit Regenbogen im Tal unter uns. Wir ziehen weiter, verlassen aber am Colletto Campanino den Kamm und gehen sicherheitshalber auf der Militärstraße weiter. Sehen können wir sowieso nichts, weil wir gleich wieder eingenebelt werden.  Die G…